Die wirklich wahre Geschichte von Hänsel und Gretel

von Britta Schwarz

Worum geht es?

Das Märchen Hänsel und Gretel von den Gebrüder Grimm wird in dieser Geschichte neu erzählt. Dabei wird das Märchen aus zwei Perspektiven widergegeben. Hänsel beschreibt aus seiner Sicht das Erlebnis der beiden Geschwister und Hexe Samira erzählt die Geschehnisse aus ihrer Sicht, aber ganz anders, als man das Märchen eigentlich kennt. - Wem glauben wir nun?

Wie wird die Geschichte verändert?

Wie erkennt man die Verbindung zum Prätext?

Die Beziehung zum Märchen Hänsel und Gretel der Gebrüder Grimm ist sehr klar markiert. Das Originalmärchen wird neu erzählt und diesmal aus zwei Perspektiven. Der dem Prätext zugrunde liegende Handlungsstrang  wird in Schwarz' Geschichte übernommen.

Im äußeren Kommunikationssystem werden Markierungen durch bekannte Zitate dargestellt. Zum Beispiel: 

"Knusper, knusper, knäuschen. Wer knabbert an meinem Häuschen?" (Schwarz 2009, o.S.)

"Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!" (Schwarz 2009, o.S.) 

Außerdem werden Markierungen im Nebentext zum Beispiel im Titel ersichtlich, in dem die Namen der Protagonisten genannt werden: Die wirklich wahre Geschichte von Hänsel und Gretel. Im Klappentext wird außerdem explizit auf "das berühmte Märchen der Brüder Grimm" (Schwarz 2009: Klappentext) verwiesen.

Eine Markierung im inneren Kommunikationssystem lässt sich ganz zu Beginn des Textes finden. Hier wendet sich Hänsel an die Leserschaft und sagt: "Ich bin Hänsel. Bestimmt kennst du mich und meine kleine Schwester Gretel?" (Schwarz 2009: o.S.). Durch diese Aussage verweist Hänsel auf den Prätext, beziehungsweise auf die Kenntnis des Lesers über den Prätext. Dem Leser soll der Zusammenhang zum Prätext direkt deutlich gemacht werden. 

Ansonsten wird die Verbindung zum Prätext dadurch deutlich, dass grob die ganze Handlung übernommen wird.

Das aus dem Prätext bekannte Lebkuchenhaus wird des Öfteren im Buch bildlich dargestellt, auch auf dem Einband. Des Weiteren greifen Hänsel und Samira das Häuschen in ihren Perspektiven auf und beschreiben es jeweils kurz.


Links: Das Lebkuchenhaus und die Hexe aus Hänsels Perspektive
Quelle: Schwarz 2009, Illustration: Iris Hardt
Rechts: Das Lebkuchenhaus und die Kinder aus Hexe Samiras Perspektive. Samira telefoniert mit ihrem Hexenhandy.
Quelle: Schwarz 2009, Illustrtion: Iris Hardt

Ideen für Unterricht

Die Intertextualität des Textes eignet sich gut für die Behandlung im Unterricht, da die Bezüge leicht zu erkennen sind. Allgemein weist diese Geschichte eine starke Intertextualität auf, da der Ursprungstext überarbeitet und aus zwei Perspektiven erneut dargestellt wird.  Durch den Perspektivenwechsel und die Veränderung des Prätextes wird ein kritischer Gedanke hervorgerufen: Welche Geschichte empfindet man als glaubwürdig, also welchem Protagonist wird Glauben geschenkt? Diese Thematik eignet sich hervorragend für interessante Unterrichtsgespräche.

Im Fach Deutsch lässt sich die Geschichte mit einem Rollenspiel nachspielen. Eine weitere Unterrichtsidee für dieses Fach besteht darin, dass man eine dritte Perspektive mit der Klasse bespricht, wie zum Beispiel Gretels Perspektive oder wenn man selbst in der Geschichte spielt. Die Geschichte aus einer dritten Sichtweise zu erzählen eignet sich als kreativer Schreibanlass. Des Weiteren lässt sich ein literarisches Gespräch darüber führen, welche Geschichte glaubwürdiger ist und warum. 

Im Fach Kunst kann man die Geschichte durch das Basteln im Schuhkarton thematisieren, indem man eine Situation, wie zum Beispiel das Haus der Hexe, bastelt. Dabei kann besonders darauf eingegangen werden, wie die Kinder und die Hexe dargestellt werden, ob böse, freundlich oder faul, je nach dem, wie die Kinder die Geschichte wahrnehmen und welche Perspektive sie als richtig und passend empfinden.

Als Unterrichtsidee im Fach Sachkunde bietet es sich an, mit Hilfe der Geschichte, Regeln, Manieren sowie soziale Umgangsformen in einer Gemeinschaft zum Thema zu machen. Im gemeinsamen Gespräch können Klassenregeln aufgestellt werden und auf einem Plakat festgehalten werden. Die Geschichte kann als Lehre für die Kinder gesehen werden, indem erklärt wird, dass jede Person eine Situation anders wahrnimmt. Dabei kann vor allem auf die verschiedenen Perspektiven einer Geschichte eingegangen werden. Jeder Moment besitzt verschiedene Sichtweisen.  Diese Betrachtung und Bewusstmachung der unterschiedlichen Sichtweisen kann in Streitsituationen helfen. Bezüglich der verschiedenen Sichtweisen kann auch das Thema Wahrheit und Lüge thematisiert werden. 

Quellen

Für diese Bearbeitung gibt es einen Unterrichtsvorschlag!